Ich möchte euch auf den aktuellen Stand bringen, was Familie Hörnchen angeht.
Nehmt euch ein Heiß- oder Kaltgetränk, denn es wird länger!
Wie ich im Beitrag 'Auf und Ab' geschrieben habe, war am Montag ein Hörnchen-Baby aus großer Höhe in den Hof gestürzt, auf einer Wiese gelandet und dann in einen Keller im Nachbarflügel geflüchtet. Ab diesem Moment war es quasi verschwunden. Mehrfache Kontrollgänge im fremden Keller blieben erfolglos. Nebenbei: Stellt euch das Gesicht von jemandem vor, den man herausklingelt, weil ein Eichhörnchen-Baby im Keller vermutet wird. Genau …
Am darauffolgenden Vormittag stellten Holger, der ehrenamtlich für den Eichhörnchen Notruf tätig ist, und ich eine Falle mit Sonnenblumenkernen, Nussstückchen und Wasser in den Keller. Ich hatte ehrlich gesagt wenig Hoffnung und war innerlich mit mir am Diskutieren: Ich mache hier viel zu viel Wirbel! Bestimmt ist das Hörnchen rausgeklettert und irgendwo im Hof verlustig gegangen, dachte ich. Außerdem sind die Hörnchen noch nicht so weit, Wasser oder feste Nahrung zu sich zu nehmen. Holger versicherte mir, dass es wirklich einen Versuch wert sei und die Falle gerade nirgends dringender gebraucht würde. Zum Glück konnten wir fortan die Falle durch ein Fenster zum Hof kontrollieren, so dass zumindest dafür nicht wieder fremde Menschen rausgeklingelt werden mussten. Bei meinen Kontrollen am Montag und Dienstag konnte ich sehen, dass sich nichts tat, die Falle wurde nicht angerührt.
Am Dienstag Nachmittag flog dann das nächste Hörnchen in den Hof. Ich glaube, es passierte als ein fremdes großes Eichhörnchen hier oben Lumi nachstellte. Jedenfalls war plötzlich viel Gewusel und das Kleine hatte wohl den Halt verloren. Es hatte nicht so viel Glück wie Nummer Eins, denn es landete auf dem gepflasterten Weg. Als ich es mitbekam und unten erspähte, hatte es etwas Blut an der Nase. Auch dieses Hörnchen spurtete über den Hof. Einem Krähenangriff ausweichend, rettete es sich an die Hauswand des gegenüber stehenden Hauses und kletterte auch gleich ganz hoch, bis auf die dritte Etage. Wäre es unser Haus gewesen, wäre es schon fast zuhause gewesen 🥹. So aber kletterte es nicht mal auf den Balkon, sondern blieb mindesten für eine Stunde an dieser Wand hängen. Ich hoffte, Lumi würde Notiz von mir und dem Hörnchen nehmen, aber sie kam nicht runter. Sie hatte ja auch noch zwei weitere wuselige Hörnchen auf dem Balkon zu beschützen. Als ich später noch einmal suchen ging, konnte ich das Hörnchen nicht finden. Es war also immerhin nicht wieder abgestürzt.
Also suchten wir am Dienstag und Mittwoch vergeblich nach zwei Hörnchen. Als kleine Ablenkung zur eigentlichen Story: Am Mittwoch ist ein weiteres Hörnchen runtergeflogen. Dieses hat Mama selbst mühevoll im Klammergriff die Hauswand entlang wieder hoch geschleppt und in den Kobel gestopft. Wie es ihm ging, wussten wir am Mittwoch dann also auch nicht. Lumi allerdings war anzusehen, dass sie sehr erschöpft war. Als sie wie immer im Kobel saß und den Kopf rausstreckte, konnte ich sehen, wie ihr die Augen zufielen. Normalerweise blinzeln Eichhörnchen nicht mal wirklich sichtbar. Aber sie war ko.
Nach dem Abendessen am Mittwoch drehten wir unsere Suchrunde und konnten durch das Fenster sehen, dass die Falle zugeschnappt war. Man konnte aber nicht erkennen, wer oder was drinnen saß. Ich war mir sicher, eine Berliner Ratte gefangen zu haben. Juhu! Um in den Keller zu kommen, muss man den Hinterhof verlassen und so schlug mein Mann vor, wir sollten zunächst noch nach Hörnchen Nummer zwei suchen. Gesagt, getan. Und ganz in der Nähe der Hauswand, an der er geklebt hatte, raschelte ein kleiner Rotschwanz im Gebüsch. Natürlich wollte er nichts von uns wissen und versuchte, durch einen Zaun zu flüchten. Er war aber schon sehr schwach, so dass mein Mann beherzt zugreifen konnte, um die Handvoll Hörnchen sichern. Ich hatte eine Mütze dabei, weil ich meinte, gerettete Hörnchen brauchen es kuschelig. Gute Idee. Mit dem Hörnchen oben angekommen, stellten wir es auf den Rat von Holger hin, auf den Balkontisch, in der Hoffnung, dass Lumi sich für ihr Junges interessieren würde. Dem war aber nicht so. Sie erkannte wohl sofort, dass es zu schwach war, um bei ihr zu überleben.
Wohin dann also mit dem Hörnchen?
Nun fiel uns die Falle wieder ein. Sie wäre ein guter Ort, das Hörnchen erst mal zu lagern und vielleicht auch zu transportieren. Während ich noch versuchte, Lumi und ihren Sohn zusammenzubringen, ging mein Mann die Falle holen.
Und dann stand er wieder im Flur, mit der Falle und einem sehr unzufriedenen kleinen Hörnchen drinnen! Das war ganz buschig und nass und aufgeregt und kletterte am Gitter auf und ab. Hatte es das kleine Wesen also doch geschafft, sich im Keller zu verstecken, die Falle zu finden, einige Sonnenblumenkerne zu fressen und Wasser zu trinken. Wahnsinn!!!
Das im Keller wieder eingefangene Hörnchen macht einen fitten Eindruck.
Wir legten ein paar Handtücher in die Falle und den kleinen Sorgenfall dazu, in der Hoffnung, die Geschwister würden sich wiedererkennen. Leider aber blieb das erschöpfte Hörnchen regungslos in der Mütze. Holger riet uns, die Falle jetzt der Mutter zu präsentieren. Es war noch nicht ganz dunkel und die Chance bestünde ja, dass Lumi Interesse zeigen würde. Und ich dachte mir, es besteht auch die reelle Chance, dass der kleine Irre sofort wieder runterfällt.
Also stellten wir die Falle auf den Balkontisch und Lumi schaute sofort raus, sprang runter auf die Bank, dann in den Blumenkasten. Also öffnete mein Mann die obere Klappe und das Hörnchen war natürlich blitzschnell draußen und ... an der Wand. Wir konnten nicht sehen, was dann passierte. Nur, dass Lumi und auch ein weiteres Baby auf dem Kobelvorsprung zugange waren. Aber dann ich sah, wie eine kleine buschige Silhouette im Kobel verschwand.
Lumi erkennt ihr Junges und wir öffnen die Falle
Wie viele Babys waren da jetzt im Kobel? War eben noch eines rausgefallen? War das Kellerkind jetzt drinnen? Was war mit dem vor einigen Stunden abgestürzten Hörnchen? Waren die drei Babys fit?
Nicht fit war Charlie - so haben wir das verletzte Hörnchen jetzt benannt. Ich schickte Holger Fotos und Videos und die hilfsbereiten Menschen vom Eichhörnchen Notruf Chat beschlossen, dass er schnell Hilfe brauchen würde und dass diese fünfzehn Minuten mit dem Auto entfernt möglich war. Also übergab mein Mann den Kleinen dort in umsorgende Hände.
Was für ein Tag!
Am nächsten Morgen benachrichtige mich Holger, dass es Charlie leider nicht geschafft hat. Er war schon zu geschwächt. Mach es gut, kleiner Kämpfer! Wir werden dich nicht vergessen.
Und der Rest? Zu meinem Glück, hatte ich Termine und war zu abgelenkt, um meinen Sorgen nachzugehen: Waren die Babys doch zu stark verletzt, war Lumi zu erschöpft nach der großen Rettungsaktion? Familie Hörnchen ließ sich erst am Nachmittag wieder blicken. Zu viert - Lumi mit drei Babys - und soweit ich das beurteilen kann, gesund und munter. Denn Lumi hatte gleich wieder zu tun, sie zu beaufsichtigen.
Für ganz kurze Zeit hatten wir die kleine Familie also wieder komplett. Mir ist natürlich klar, dass es sich um einen kleinen Moment des Glücks handelt und dass sich das Drama jederzeit wiederholen kann. Aber wie toll ist es, dass wir bzw. sie es soweit geschafft haben. Zumindest das Kellerhörnchen, das dingend einen schöneren Namen braucht, kann jetzt schon mal super klettern und auch schon feste Nahrung zu sich nehmen.
Ich bin Holger und Shara so dankbar für ihre Hilfe.
Und ... solltet ihr Hörnchen finden, helft ihnen!